Hintergrund

Es gibt Geschichten, die wir erst erleben, seit es Facebook gibt. Als ich Journalistin für digitale Kultur bei Fritz (rbb) war, habe ich mich oft gefragt: Was passiert da gerade eigentlich mit uns? Erlebe ich Situationen nur noch intensiv, wenn ich sie auch online dokumentiere? Ich interviewte Leute, die mal ne Weile bei Facebook ausstiegen, oder die Tipps gaben zum digitalen Schlussmachen mit dem Ex. Ich erlebte Kollegen, die im Büro so lange lachten, bis alle um sie herum standen und auch mal sehen wollten. Und ich erlebte selbst das Gefühl, alleine vor Facebook zu sitzen und mich still über etwas zu freuen oder zu ärgern. Wir sind dort neugierig, produktiv, verunsichert und vor allem nicht immer nur sozial. Trotzdem ist doch die “entweder oder”-Debatte der Retro-Freunde gegen die Digital-Fans und der Desillusionierten gegen die Faszinierten alt. Facebook ist seit zehn Jahren in unserem Leben, oft am Morgen noch vor dem ersten Kuss oder Kaffee.

Ja, ich lese in der U-Bahn lieber ein Buch als meine Timeline. Ja, ich liebe Offline-Tage. Ja, ich habe meine Zweifel an diesem blauen Format. Aber ich sehe es auch als nützliches Werkzeug. Zum Beispiel für Diskussionen, die unterschiedlichste Menschen plötzlich zum gleichen Thema führen. Das merke ich auch in meiner Arbeit für die NGO Sozialhelden e.V. im Projekt Leidmedien.de. Bei Facebook und Twitter diskutieren wir täglich über die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien.

Die konkrete Idee zu “Blue Story” kam mir nach der Konferenz “Einbruch der Dunkelheit” der Kulturstiftung des Bundes unter der Leitung der Berliner Gazette in der Berliner Volksbühne Ende Januar 2014. Zwei Tage lang diskutierten Wissenschaftler, Philosophen und Netzaktivisten über Überwachung, Privatsphäre und die Zukunft des digitalen Lebens. In der Abschlussdiskussion hieß es dann: Nach allem, was wir über die NSA und Snowden, das Private und das Öffentliche, Werte und Aktionismus besprochen haben, ist da also noch dieses Facebook. Und das stand plötzlich symbolisch für all unsere Gefühle, Sehnsüchte und Ängste. Wenn uns Facebook irgendwann egaler wird – weil wir es nur noch mit Eltern oder Infektionskrankheiten verbinden – gehen die Geschichten, die wir durch Facebook erst erleben, verloren. Ich finde, es ist an der Zeit, sie aufzuschreiben.

Herzlichen Dank an Ruth Bedbur und Eva Wimmer für’s Redigieren, Andi Weiland und Nion für die technische Unterstützung, Chris Piallat, David SteinbergerSilke Georgi und Sabrina Apitz für inhaltliche Fragestellungen und allen anderen, die mich seit Jahren auf Facebook zum Schmunzeln und Nachdenken bringen.

 Aufbau der Seite

  • “Gedanken zu FreundschaftLiebeFamilieJob: Sammlung von Gedanken, die sich NutzerInnen auf Facebook im Kontakt zu Freunden, Partnern, Familienangehörigen und KollegInnen machen;  in Tweet-Länge zum Teilen; auch als Anreiz gedacht selbst Geschichten dazu aufzuschreiben, die man erst durch Facebook erlebt hat
  • “My Blue Story”: Sammlung von Geschichten, die NutzerInnen von Facebook selbst erlebt und verfasst haben (meist anonym)
  • “Facebook Film”: Sammlung von Filmen rund um das Thema menschliche Interaktion mit Facebook und Technologien, die mit Facebook verknüpft sind (Twitter, Tinder, Instagram etc)
  • “Facebook Literatur”: Sammlung von Artikeln und Literatur zum Thema menschliche Interaktion mit Facebook und Technologien, die mit Facebook verknüpft sind…(Twitter, Tinder, Instagram etc)
  • Facebook Design: Sammlung von Gedanken und Artikeln zum Design von Facebook und wie dies menschliche Interaktion beeinflusst