“7 Tage, 7 Dinge” – My Blue Story

Fotos von vielen jungen Leuten, darüber ein roter Pfeil, der durch die Fotos wie eine Schlange zieht

Foto: Vladimirs Guculaks / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc-nd)

Das, wovon ich mich in dieser Woche getrennt habe, ist mir unglaublich schwer gefallen: Ich habe 7 Menschen aus meiner Facebook-Freundesliste gestrichen. Mein Kriterium dafür: Würde ich auf der Straße niemals erkennen oder habe ich noch niemals persönlich mit gesprochen. Einer davon war eine Ausnahme: Ein Kollege, der vor über einem halben Jahr verstorben ist, den ich aber persönlich kannte. Ich finde es immer befremdlich, wenn die virtuellen Identitäten nach dem Tod eines Menschen noch weiterleben.

Eigentlich nehmen Facebook-Freunde ja keinen Platz weg. Ok, von einigen möchte man nicht jeden Tag in der eigenen Timeline lesen, aber das lässt sich ja technisch steuern (hab ich mal gehört). Dennoch war es ein gutes Gefühl, diese Liste zu entrümpeln. Und ein komisches. Denn wir hören ja immer wieder, wie wichtig netzwerken ist.

Netzwerken. Was für ein Wort. Es gibt massenhaft Bücher und Seminare zu dem Thema. Dabei geht es vor allem darum, wie man gezielt zwischenmenschliche Kontakte knüpft, die einem beruflich weiterhelfen. Das ist so berechnend. Wenn man einen fremden Menschen kennen lernt, weiß man ja gar nicht mehr, ob der einen jetzt wirklich nett findet oder nur an der Erweiterung des eigenen Netzwerkes arbeitet. Beim Netzwerken oder Networking mangelt es halt manchmal an Ehrlichkeit. Man biedert sich an und macht sich beliebt in der Hoffnung, von diesem Menschen später einmal zu profitieren. Natürlich kann da auch Sympathie im Spiel sein, umso besser. Aber was, wenn nicht? Muss ich mich dann verstellen, damit mein vielversprechendes Gegenüber mich als Kontakt hinzufügt? Bin ich bescheuert, wenn ich Kontaktanfragen via Facebook, Xing und Co. ablehne?

Ich finde man muss und darf trennen. Berufliche Beziehungen dürfen sachlich bleiben, wenn die Sympathie fehlt. Private Beziehungen dürfen auch dann herzlich sein, wenn der eine vom anderen nicht beruflich profitieren kann. Man darf Kontaktanfragen ablehnen, wenn der Kontakt nie über einen Eintrag in eine virtuelle Freundesliste hinausgehen wird. Man darf sich korrigieren, wenn man einmal jemanden angenommen hat, den man eigentlich gar nicht kennt und niemals als Freund bezeichnen würde.

Der Text erschien erstmals im Blog der Journalistin Pia Mester (Quelle: http://malmini.de/?p=798)

 Erzähl dazu Deine Blue Story

Kommentiere dazu hier drunter

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.