“Tipp Ex” – My Blue Story

Foto: Tobias Mittmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

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Eine Freundin fragt mich, ob ich bei Facebook noch mit ihrem Ex befreundet bin. Sie hat sich gerade von ihm getrennt, und sie sagt, sie fände es gut, wenn ich deshalb den Kontakt zu ihm auch auf FB sein lassen würde. Ich kann das nicht nachvollziehen. Muss ich den Kontakt zum Ex einer Freundin auf FB beenden, weil deren Beziehung vorüber ist? Als Strafe für ihn oder als Zeichen, dass ich ungefragt ganz auf ihrer Seite stehe?

Mich ärgert das sogar ein wenig. Denn ich habe doch auch etwas in die Beziehung der beiden investiert: habe ihn kennengelernt und angenommen im Freundeskreis, habe ihm gezeigt, dass er willkommen ist und gemocht wird, habe etliche Abende mit ihm und ihr gemeinsam verbracht. Und das habe ich auch für sie getan, für ihre Beziehung. Wünscht man sich denn in einer Beziehung nicht, dass die Freunde den neuen Partner genauso mögen, wie man selbst? Und jetzt plötzlich soll das nur wie eine Show aussehen, weil sie es sich anders überlegt hat? Und was, wenn sie es sich dann in acht Wochen wieder anders überlegen? Wie scheinheilig wäre es, wenn alle ihre Freunde die Freundschaft dann in acht Wochen tatsächlich wieder bei ihm anfragen würden, weil die Beziehung von vorn beginnt?

Okay, eigentlich verbindet mich gar nicht so viel mit ihm. Wir wollten uns per FB schon seit Ewigkeiten mal zusammen zum Motorradfahren verabreden, das ist alles. Deshalb geht es mehr um die Sache an sich. Andererseits: Was wäre, wenn mich nicht eine Freundin, sondern ein Bekannter bitten würde, den FB-Kontakt zu seiner Exfreundin abzubrechen, und nun stehe ich insgeheim auf sie? FB-Nachrichten wären natürlich eine prima Möglichkeit, ihr näherzukommen – und dann wäre schon verständlich, dass er das nicht erleben will.

Aber so sehr FB auch dazu verleiten mag, der Versuchung nachzugeben und dem Ex hinterherzuforschen, oder über die Kontakte seines Ex’ verfügen zu wollen, als sei er das eigene Eigentum… Vielleicht bewirken FB und die anderen sozialen Medien irgendwann auch etwas anderes, eine ganz neue Lebenshaltung. Wir teilen immer mehr, unter anderem Internet-Links, Fundstücke, Gedanken, Fotos, Musik und Autos. Und vielleicht lernen wir auf diesen geteilten Wegen auch eine andere, weniger private, weniger monogame Form der Liebesbeziehung kennen – jetzt wo überall auch von Polyamorie die Rede ist.

Ich meine nicht, dass man seinen Partner oder Ex nun mit jedem teilen sollte. Aber vielleicht lernen wir durch ihre öffentlichen Auftritte im Netz noch schneller, dass sie immer auch ein eigenes Leben haben, über das wir nicht verfügen können und sollten, weil sie genau das zu diesen spannenden Menschen macht, zu lebendigen, vernetzten, sozialen Wesen eben.

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